Stark, laut, nackt – Femen! “ttt – ARD”

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http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/br/20130630-ttt-femen-102.html

Seit einem Jahr gibt es die Femen-Bewegung auch in Deutschland. Wer sind diese jungen Aktivistinnen, die mit entblößtem Busen provokativ auf Missstände aufmerksam machen wollen. Und vor allem: Was ist von den Femen zu halten? Sind sie wirklich politisch? Sind ihre Aktionen eine neue Form des Feminismus? Oder bloß unreflektierter Aktionismus?

Gerade hatten sie einen Riesenerfolg. In Brüssel stürmten diese Woche Femen-Aktivistinnen die Autokolonne des tunesischen Ministerpräsidenten Larajedh. Forderten die Freilassung von drei inhaftierten Anhängerinnen – unter ihnen auch eine 20-jährige Deutsche. Am Donnerstag wurden die Frauen in Tunesien aus der Haft entlassen.

Erst Erstaunen, dann Kritik

„Wir sind stark, wir sind laut“, sagt Zana Ramadani, die Gründerin von Femen Deutschland. „Natürlich sind wir nackt oder halbnackt. Aber wir sind stark! Wir vertreten unsere Meinung. Wir haben Selbstbewusstsein. Wir sind befreit und das ist das, was die Gesellschaft unheimlich schockt.“

In Deutschland werden die Femen seit einigen Wochen plötzlich von allen Seiten attackiert. Anfangs lösten ihre Aktionen Erstaunen, teilweise Bewunderung aus. Und jetzt: zu inhaltsleer, zu inflationär, zu selbstbezogen. „Femen müsste mal Klartext reden“, sagt die Soziologin Paula-Irene Villa (Gender Studies an der Ludwig-Maximilians-Universität München). „Femen müsste sich mal konkret die Hände schmutzig machen an konkreten Argumenten für konkrete Personen und konkreten Praxen und nicht nur sozusagen auf dieser Wolke sieben – der Frau in der Gesellschaft – bleiben.“

Protestbotschaften auf nackten Brüsten

Zana Ramadani wehrt sich: „Die Leute verlangen von uns, dass wir Thesenpapiere ausarbeiten, dass wir vorher oder bei jedem Interview stundenlang über alles diskutieren. Dann wird sich nie was ändern!“ Ramadani stammt aus einer muslimischen Familie. Ausgerechnet sie hat vor einem Jahr Femen Deutschland gegründet. Ursprünglich kommt die Protestbewegung aus der Ukraine. Handeln statt quatschen. Das ist ihre Maxime. Spektakulär: Die Femen stürmen die Live-Show von „Germany‘s Next Topmodel“. Als Protest gegen die Sexualisierung der Frau. „Es gehen Tausende von Frauen tagtäglich auf die Straße, verteilen Flyer“, sagt Ramadani. „Das haben wir auch schon getan: Flyer verteilt, Reden gehalten - und wen interessiert es? Keinen. Und außerdem: Es gibt ja nicht nur einfach nackte Brüste. Es gibt ja unsere Brüste mit Botschaft.“

Durchchoreographierte Aktionen

Die Aktionen sind durchchoreographiert. Die Fäuste ballen, in die Kameras brüllen und sich gegen Securitys wehren, ohne selbst handgreiflich zu werden - das sind die Waffen. Ihr Protest hat ein weites Spektrum: Femen demonstriert auf der Berlinale gegen Genitalverstümmelung genauso wie für ein Verbot der NDP oder gegen den Oberpatriarchen Putin. „Natürlich haben wir uns viel vorgenommen“, sagt Femen-Aktivistin Hellen Langhorst. „Aber genau aus dem Grund, weil für uns all diese Themen zusammenhängen. Es geht immer um Unterdrückung und um die Nichteinhaltung der Menschenrechte.“

Neulich: Protest vor einer Berliner Moschee gegen die Unterdrückung muslimischer Frauen. „Fuck Islamism“ hat sich Femen-Gründerin Zana Ramadani auf den Körper geschrieben. Für solche Aktionen wird sie von ihren muslimischen Verwandten wüst beschimpft. „Ich habe Onkels in Mazedonien, die schreiben dann, dass ich schlecht bin, dass ich eine Hure bin oder was auch immer. Wie sollte ich so etwas ernst nehmen? Wie sollte ich solche Anfeindungen überhaupt ernst nehmen? Ich kann darüber nur lachen, weil das ist ja das, was ich bekämpfe.“

 Mehr Schaden als Nutzen?

Auch muslimische Frauen, für die Femen eigentlich kämpft, haben einen Gegenprotest gestartet. Fühlen sich pauschal als Opfer hingestellt und in ihrer religiösen Überzeugung beleidigt. Mit der Moschee-Aktion schadet Femen den Muslima, sagt die muslimische Autorin Sineb El Masrar: „Das Problem ist vor allem, dass die Femen-Bewegung den Islamisten in die Hände spielt, weil sie die gleiche Haltung einnehmen wie die Islamisten, die die Frauen bevormunden und zu glauben wissen, was gut für die Frau und vor allem für die muslimische Frau ist.“

Stark, laut, nackt - Femen!

 Seit einem Jahr gibt es die Femen-Bewegung auch in Deutschland. Wer sind diese jungen Aktivistinnen, die mit entblößtem Busen provokativ auf Missstände aufmerksam machen wollen. Und vor allem: Was ist von den Femen zu halten? Sind sie wirklich politisch? Sind ihre Aktionen eine neue Form des Feminismus? Oder bloß unreflektierter Aktionismus?
 Femen - eine etwas andere Art zu protestieren

Gerade hatten sie einen Riesenerfolg. In Brüssel stürmten diese Woche Femen-Aktivistinnen die Autokolonne des tunesischen Ministerpräsidenten Larajedh. Forderten die Freilassung von drei inhaftierten Anhängerinnen – unter ihnen auch eine 20-jährige Deutsche. Am Donnerstag wurden die Frauen in Tunesien aus der Haft entlassen.

 Erst Erstaunen, dann Kritik

„Wir sind stark, wir sind laut“, sagt Zana Ramadani, die Gründerin von Femen Deutschland. „Natürlich sind wir nackt oder halbnackt. Aber wir sind stark! Wir vertreten unsere Meinung. Wir haben Selbstbewusstsein. Wir sind befreit und das ist das, was die Gesellschaft unheimlich schockt.“

 Femen-Protestmarsch

In Deutschland werden die Femen seit einigen Wochen plötzlich von allen Seiten attackiert. Anfangs lösten ihre Aktionen Erstaunen, teilweise Bewunderung aus. Und jetzt: zu inhaltsleer, zu inflationär, zu selbstbezogen. „Femen müsste mal Klartext reden“, sagt die Soziologin Paula-Irene Villa (Gender Studies an der Ludwig-Maximilians-Universität München). „Femen müsste sich mal konkret die Hände schmutzig machen an konkreten Argumenten für konkrete Personen und konkreten Praxen und nicht nur sozusagen auf dieser Wolke sieben – der Frau in der Gesellschaft – bleiben.“

 Protestbotschaften auf nackten Brüsten

Zana Ramadani wehrt sich: „Die Leute verlangen von uns, dass wir Thesenpapiere ausarbeiten, dass wir vorher oder bei jedem Interview stundenlang über alles diskutieren. Dann wird sich nie was ändern!“ Ramadani stammt aus einer muslimischen Familie. Ausgerechnet sie hat vor einem Jahr Femen Deutschland gegründet. Ursprünglich kommt die Protestbewegung aus der Ukraine. Handeln statt quatschen. Das ist ihre Maxime. Spektakulär: Die Femen stürmen die Live-Show von „Germany‘s Next Topmodel“. Als Protest gegen die Sexualisierung der Frau. „Es gehen Tausende von Frauen tagtäglich auf die Straße, verteilen Flyer“, sagt Ramadani. „Das haben wir auch schon getan: Flyer verteilt, Reden gehalten - und wen interessiert es? Keinen. Und außerdem: Es gibt ja nicht nur einfach nackte Brüste. Es gibt ja unsere Brüste mit Botschaft.“

 Durchchoreographierte Aktionen

Die Aktionen sind genau geplant

Die Aktionen sind durchchoreographiert. Die Fäuste ballen, in die Kameras brüllen und sich gegen Securitys wehren, ohne selbst handgreiflich zu werden - das sind die Waffen. Ihr Protest hat ein weites Spektrum: Femen demonstriert auf der Berlinale gegen Genitalverstümmelung genauso wie für ein Verbot der NDP oder gegen den Oberpatriarchen Putin. „Natürlich haben wir uns viel vorgenommen“, sagt Femen-Aktivistin Hellen Langhorst. „Aber genau aus dem Grund, weil für uns all diese Themen zusammenhängen. Es geht immer um Unterdrückung und um die Nichteinhaltung der Menschenrechte.“

Neulich: Protest vor einer Berliner Moschee gegen die Unterdrückung muslimischer Frauen. „Fuck Islamism“ hat sich Femen-Gründerin Zana Ramadani auf den Körper geschrieben. Für solche Aktionen wird sie von ihren muslimischen Verwandten wüst beschimpft. „Ich habe Onkels in Mazedonien, die schreiben dann, dass ich schlecht bin, dass ich eine Hure bin oder was auch immer. Wie sollte ich so etwas ernst nehmen? Wie sollte ich solche Anfeindungen überhaupt ernst nehmen? Ich kann darüber nur lachen, weil das ist ja das, was ich bekämpfe.“

Mehr Schaden als Nutzen?

Auch muslimische Frauen, für die Femen eigentlich kämpft, haben einen Gegenprotest gestartet. Fühlen sich pauschal als Opfer hingestellt und in ihrer religiösen Überzeugung beleidigt. Mit der Moschee-Aktion schadet Femen den Muslima, sagt die muslimische Autorin Sineb El Masrar: „Das Problem ist vor allem, dass die Femen-Bewegung den Islamisten in die Hände spielt, weil sie die gleiche Haltung einnehmen wie die Islamisten, die die Frauen bevormunden und zu glauben wissen, was gut für die Frau und vor allem für die muslimische Frau ist.“

Femen-Deutschland-Gründerin Zana Ramadani hat selbst lange unter dem Islam und seinen Wertvorstellungen gelitten. „Ich sehe es als meine Pflicht zu zeigen: Mädels, ich habe es geschafft! Ich habe es geschafft zu gehen. Ich habe es geschafft mich zu befreien und selbstbestimmt leben zu können. Und wenn ich das kann, dann ihr erst recht.“

Femen – das ist Feminismus als Praxis. Radikal und mutig. Auch wenn ihre Kritik manchmal zu pauschal ist. Ihr Anspruch ist Öffentlichkeit zu schaffen. Die Gesellschaft aufzurütteln.

(Autorin: Gabriele Pfaffenberger)


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